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Montag, 02.04.2012

"Alle sind entschlossen"

Magazin | dürer | 14.11.2006

"Metropolregion Nürnberg" - das klingt nach großer weiter Welt, verheißungsvoller Zukunft, Großstadt-Flair und Internationalität. Als 8. Metropolregion in Deutschland setzt der Großraum Nürnberg darauf, seine Innovationskraft ebenso unter Beweis zu stellen wie seine hohe Lebensqualität. Über das Zusammenspiel der 20 Mitglieds-Gebietskörperschaften im Wettbewerb der Regionen sprach dürer mit der Landrätin des Landkreises Fürth, Dr. Gabriele Pauli.

"Alle sind entschlossen"
Aufbruch statt Stillstand. Dr. Gabriele Pauli will helfen, die Metropolregion voranzubringen.

dürer: Welche Vorteile bietet die Entscheidung für die Metropolregion Nürnberg den einzelnen Gebietskörperschaften?

Dr. Pauli: Die Metropolregion Nürnberg hat sich zum Ziel gesetzt, in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur, Wissenschaft, Verkehr, Planung, Kultur, Sport, Tourismus und Marketing ihre Stärken auszubauen und zu betonen. Eine Bündelung von Aktivitäten auf diesen Gebieten erreicht eine höhere Wirkung als das bisherige Einzelkämpfertum der Gebietskörperschaften.

dürer: Die Metropolregion ist völlig unterschiedlich strukturiert. Wie wollen Sie sicherstellen, dass nicht nur die großen Städte - und hier vorrangig der Namengeber Nürnberg - profitieren?

Dr. Pauli: Nürnberg ist sicherlich die Lokomotive. Ein Zug besteht aber nicht nur daraus, sondern aus vielen Waggons, die eigene "Antriebskräfte" mitbringen, um den Zug anzuschieben. Die regionale Vielfalt ist das Plus der Metropolregion und jeder, der sich einbringt, wird auch einen Nutzen daraus ziehen können.

dürer: Werden die hier lebenden Menschen etwas von der Metropolregion spüren?

Dr. Pauli: Ich bin mir sicher, dass Erfolge schon mittel- bis langfristig, das heißt in einigen Jahren, messbar sein werden - etwa in Neuansiedlungen von Firmen, einer erweiterten Auslastung der Messe Nürnberg, mehr Tourismus und steigenden Übernachtungszahlen im Fremdenverkehr, um nur einige Beispiele zu nennen. Als Folge dieser "Belebung" werden neue Arbeitsplätze geschaffen und neue Wirtschaftskreisläufe angekurbelt.

dürer: Was wird im internationalen Wettbewerb wichtiger sein, die harten oder die weichen Standortfaktoren?

Dr. Pauli: Beides gehört zusammen. Unsere heimischen Firmen und Forschungseinrichtungen können sich im harten internationalen Wettbewerb durchaus behaupten. Die Exportquote Mittelfrankens liegt laut Industrie- und Handelskammer Nürnberg bei beachtlichen 41 Prozent; der Industrieumsatz beläuft sich auf 30 Milliarden Euro. Aber auch das Umfeld der weichen Standortfaktoren ist wichtig für das Wohlergehen von Mensch und Wirtschaft. Und da zeichnet sich die Region durch attraktive Freizeiteinrichtungen, vielfältige Kultur- und Bildungsangebote, hochwertige Einkaufsmöglichkeiten und schönes, bezahlbares Wohnen aus.

dürer: Der Franke neigt zum Understatement. Wie sollen Selbstbewusstsein und Image der Region weiter verbessert und zielgerichtet aufgebaut werden?

Dr. Pauli: Diese fränkische Bescheidenheit ist nur noch in der Region selbst vorhanden. Außerhalb Frankens wird mir immer wieder bestätigt, dass die Region bzw. die neue Metropolregion sehr leistungsfähig und "der Franke" als wirtschaftlicher oder kultureller Partner in hohem Maße anerkannt ist.

dürer: Wird die Metropolregion dazu beitragen, dass man gegenüber anderen Regionen bei Standortentscheidungen die Nase vorn hat?

Dr. Pauli: Das ist eines der Hauptziele der neuen Metropolregion. Wir sind aufgrund unserer hohen internationalen Attraktivität sehr wohl in der Lage, Standortwettbewerbe zu Gunsten der Metropolregion Nürnberg zu gewinnen. In den Ranglisten der Untersuchungen namhafter Wirtschaftszeitungen und Institute schneidet die Wirtschaftsregion Nürnberg beim Vergleich von Leistungskraft, Lebensqualität und Wirtschaftskraft stets gut bis sehr gut ab.

dürer: Wie wird man die Städte und Gemeinden davon abhalten, weiter auf Kirchturmpolitik zu setzen?

Dr. Pauli: Die Kommunen sind nach wie vor für die Kernaufgaben im Bereich Bildung, Soziales, Sicherheit, Bauplanung und Verkehr verantwortlich. Die Metropolregion befasst sich mit Themen, die die Gesamtregion betreffen und bisher nur in beschränktem Umfang von Nürnberg oder unserem Marketingverein wahrgenommen wurden. Unsere Städte und Gemeinden haben inzwischen bemerkt, dass es allen nützt, wenn wir diese Außenaktivitäten verstärken. Mit der Unterzeichnung der Charta der Metropolregion Nürnberg bringen wir diesen breiten Konsens unter den Landräten, Oberbürgermeistern, Bürgermeistern sowie den Vertretern der Kammern, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung aus dem Großraum Nürnberg zum Ausdruck. Alle sind entschlossen, die Metropolregion Nürnberg als Impulsgeberin und Wachstumsmotor in Europa gemeinsam voranzubringen.

dürer: Marketing und Wirtschaftsförderung kosten viel Geld. Wie finanziert sich die Metropolregion Nürnberg?

Dr. Pauli: Der bisherige Weg zur Metropolregion zeigt, dass nur mit entsprechendem Mitteleinsatz Erfolge erzielbar sind. Große Unterstützung - und das möchte ich wirklich ausdrücklich betonen - findet die Metropolregion dankenswerterweise bei unserer heimischen Wirtschaft. Zahlreiche Firmen betätigen sich als Sponsoren und "Botschafter der Metropolregion Nürnberg". Natürlich werden wir auch einen bestimmten Cent-Betrag je Einwohner für die Mitgliedsstädte und -landkreise vereinbaren.

dürer: Dürfen Sie auf öffentliche Zuschüsse hoffen?

Dr. Pauli: Nein, in direkter Weise wird es nach heutigem Stand keine Zuschüsse geben. Auf EU-Ebene werden jedoch bereits Szenarien untersucht, die die geänderten Fördermöglichkeiten in Betracht ziehen. Bei der Vergabe von Aufträgen im öffentlichen Bereich, etwa dem Ausbau von Forschungseinrichtungen, spielt der Titel Metropolregion sicherlich eine wichtige Rolle, ähnlich wie in der Industrie die DIN- und ISO-Normen für entsprechende Qualitätsmerkmale stehen.

dürer: Welche persönlichen Erwartungen und Hoffnungen verbinden Sie mit der Metropolregion Nürnberg?

Dr. Pauli: Die Metropolregion ist der Garant einer hochleistungsfähigen Wirtschaft und einer hochentwickelten soziokulturellen Raumstruktur. Die Ansiedlung weiterer Unternehmen, auch solcher von Weltrang, wird unseren Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die internationale Arbeitswelt erleichtern. Mein Ziel ist, nicht stehen zu bleiben, sondern alle Chancen zu ergreifen, die sich uns in der Metropolregion bieten: Chancen auf Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze, die auch meinem Landkreis Fürth zu Gute kommen.

www.landkreis-fuerth.de

Artikel aus: dürer 01.05