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Montag, 12.09.2011

Das Startup Weekend Nürnberg 2010 - ein erstes Fazit

Weblog | entresol | 09.11.2010 | 21:00

Das Ende vorweg – es gab keine einzige Gründung beim Startup Weekend Nürnberg 2010. Unser Notar, Dr. Michael El-Gayar, durfte gleich zu Beginn der Abschlußpräsentationen die Heimreise antreten. Warum sind trotzdem alle so angenehm überrascht von diesem Ausgang?

 

Freitag

Am Besten von vorne: Der Freitag beginnt für zwei Teams diesmal bereits am Morgen um 9 Uhr. Das Netzwerk Nordbayern hat zusammen mit der Universität Erlangen-Nürnberg als Warmup für alle SWN Teilnehmer ein Tagesseminar zur professionellen Businessplan-Erstellung angeboten. Ein idealer Einstieg, bei dem die Teilnehmer bereits zwei fortgeschrittene Geschäftsideen mitbringen und den Tag anhand dieser beiden Ideen gestalten, anstatt sich an trockenen, theoretischen Beispielen zu orientieren.

Der Aufbau findet ab Mittag parallel dazu statt und schon früh ist absehbar, dass das Event wieder eine ganz besondere Atmosphäre erhalten wird. Es sind wie im letzten Jahr knapp 120 Teilnehmer angemeldet und viele davon treffen pünktlich ab 18 Uhr im Südwestpark Nürnberg ein. Sie werden schon bei ihrer Ankunft in die ersten Ideengespräche an der “Ideawall” verwickelt.

Bis 21 Uhr wird quergedacht und visioniert, dann ist die Bühne frei für einen kurzen Rückblick auf das letzte Jahr. Die für eine Unkonferenz typische Vorstellungsrunde mit Vornamen und zwei Tags pro Teilnehmer vermittelt allen in nur fünf Minuten einen ersten Eindruck, welche Themen, Expertisen und Schwerpunkte vertreten sind. Knapp ein Viertel der Anwesenden ist Wiederholungstäter, die anderen sind zum ersten Mal dabei.

Die Schwerpunkte beim anschliessenden Pitching sind vielfältig, aber auch recht deutlich IT-, Web- und Open-Source-lastig. Die Ideen ordnen sich rund um zukunftsorientierte Kernthemen, wie z.B. Gesundheit, Social Entrepreneurship, Charity, Location Based Services, Gaming, Edutainment, Wikipedia, Wissensmanagement, Communities, Industrial, Recreation und Outdoor Activities. Im Vergleich zum letzten Jahr gibt es diesmal eine ganze Reihe von bereits recht fortgeschrittenen und ausgereiften Ideen. Vermutlich nicht zuletzt da den besten Teams ein Pitching bei HackFwd, der Frühphasen-Finanzierungsgesellschaft von Lars Hinrichs winkt – und damit die Chance auf eine Pre-Seed-Finanzierung für ein ganzes Jahr.

Auf dem kurzen Weg zur Socializing Party werden Bilder von den Teilnehmern gemacht. Diese lassen sich unmittelbar um den Namen, die Tags, den Twitter-Account und das Team ergänzen. Das erleichtert die Vernetzung untereinander deutlich. Die nächsten Stunden verfliegen ausgelassen und angeregt bei Live DJ Beats und intensiven Gesprächen rund um die vorgestellten Ideen. Entsprechend kurz wird die Nacht – vor allem für die Organisatoren, die vor Ort bleiben. Die letzten geben erst im Morgengrauen auf.

Samstag

Bereits beim Frühstück sind die ersten Teams intensiv in die Ausarbeitung vertieft und die verfügbaren Seminarräume füllen sich schnell. Nach dem zweiten Vorstellen der Ideen werden alle verfügbaren 12 Räume im Fashion Forum komplett belegt sein, teilweise mit bis zu vier Teams – damit hätte noch einen Tag zuvor wirklich Niemand gerechnet. Um 10 Uhr startet die zweite Pitchingrunde. Was hat sich im Vergleich zum Freitag Abend verändert, welche Ideen sind weiterentwickelt, welche Ideen scheiden bereits aus dem Rennen aus?

Wieder werden gut zwanzig Geschäftsideen vorgestellt, diesmal wandert jede davon auf ein Flipchart, die über die Glasflächen des weitläufigen “Multimedia”-Raums verteilt werden. Nun beginnt die Gruppenfindung und die Ideen werden Stück um Stück entfernt, zu denen sich nicht ausreichend viele Mitstreiter finden.

Der zuvor abgestimmten Untergrenze von mindestens 5 Mitgliedern pro Gruppe wird jedoch erfolgreich getrotzt – einige der kleineren Teams sind auch mit nur vier Mitstreitern fest davon überzeugt, in dieser Konstellation bis Sonntag Abend durchzuhalten. Sie werden Recht damit behalten. Das Resultat sind mehr als ein Dutzend Gruppen, die in die Ausarbeitung ihrer Ideen starten. Ein neuer Rekord für ein europäisches Startup Weekend.

Diesmal werden alle Gruppen mit dem Business Model Canvas im Din A1 Format versorgt sowie einem Leitfaden für das zugrundeliegende Modell. Außerdem gibt es ein halbes Dutzend Exemplare des Business Model Generation Buchs, das über den Canvas hinaus alles liefert, was notwendig ist, um Muster in Geschäftsmodellen zu erkennen, diese zu neu zu entwickeln und strategisch einzusetzen.

Das strukturierte und visualisierte Herangehen an das Geschäftsmodell als Herz eines Unternehmens zeigt seine Wirkung. Die Teams beginnen eine gemeinsame Landkarte von ihrer Idee zu entwickeln, erkennen die Lücken in ihrem Geschäftsmodell und entwickeln nach und nach ein Gespür für die Faktoren einer erfolgreichen Umsetzbarkeit.

Es werden die Wertschöpfung, die verschiedenen Zielgruppen und mögliche Partner analysiert. Diese ergänzten sich um das richtige Kundenbeziehungsmanagement, die Vertriebs- und Kommunikationskanäle sowie die Kernaktivitäten und -ressourcen. Darunter liegen Kostenstruktur und Einnahmequellen.

Am Abend gibt es Gelegenheit den aktuellen Stand der Gruppe kurz vorzustellen und Feedback einzuholen. Die Gruppen haben sichtlich Fahrt aufgenommen und geben Gas – die Halbzeit ist bereits erreicht.

Sonntag

Die zweite Nacht fällt etwas länger aus und die vom Special Event Service bereitgestellten Sitzelemente von Lümmel haben einmal mehr bewiesen, wie wunderbar universell sie sich verwenden lassen. Die Black Pirate Coffee Crew macht am Morgen allen Beine und auch heute sitzen die meisten Teams trotz Schlafmangel schon wieder früh zusammen. Die Gruppen werden nun mit dem Handbuch zur Businessplan-Erstellung versorgt, das den fehlenden “Glue” rund um das Geschäftsmodell im Zentrum liefert – Produkt/Dienstleistung, Markt & Wettbewerb, Chancen und Risken, Organisation sowie Finanzierung.

Das geplante Coaching Angebot für die Gruppen fällt knapper aus als im Vorfeld erhofft – es sind einfach zu viele Teams. Mittendrin entsteht der Eindruck, dass für jedes Team, das aufgibt sich zwei neue bilden, die mit komplett frischem Elan antreten. Am Ende wird der Reihe nach bei 15(!) Teams abgefragt, welche Gruppen am Abend notariell gründen wollen, um die Beratung für die Unternehmensform und rechtlichen Rahmenbedingungen planen zu können.

Dieser Durchgang ist erstaunlich schnell abgeschlossen – keines der Teams fühlt sich heute schon bereit dafür. Unsere vorbereitete Strategie, die Teams wenn nötig in ihrem Gründungselan zu bremsen, läuft praktisch ins Leere. In keinem Fall sollte Jemand in der Rolle eines GmbH Geschäftsführers landen, ohne dass ihm die damit verbundene Verantwortung und Pflichten in ganzem Umfang bewusst sind.

Stattdessen gibt es in vielen Fällen bereits konkrete Planungen für die spätere Gründung (nicht nur aufgrund der wohl besonderen Anziehungskraft des 1.1.2011). Dieser Ausgang stimmt rundum zufrieden, da die Teams verstanden haben, dass der Transfer in den Alltag ganz entscheidend ist. Werden das Team und die Idee Bestand haben, auch wenn das Tagesgeschäft wieder Oberhand gewinnt und die Mitgründer über das ganze Land verstreut sind? Ist das Geschäftsmodell ausgereift, ist eine schnelle Umsetzbarkeit gegeben, ist der Kundennutzen ausgeprägt genug?

Es ist natürlich möglich all diese Aspekte auch aus der am Sonntag gegründeten UG & Co. KG heraus zu lösen, das haben die Teams vom letzten Jahr gezeigt. Die “Nachgründung” zu einem späteren Zeitpunkt scheint trotzdem in vieler Hinsicht eine wirklich überlegenswerte Alternative zu sein. Zumal auch eine spätere Gründung nach Möglichkeit noch unterstützt werden wird.

So befinden sich die Gruppen auf einmal bereits mitten in den Abschlußpräsentationen – 15 Teams mit je eisern eingehaltenen 3 Minuten Pitching Time. Der Lift wäre kaum schneller nach oben und wieder zurückgefahren – nur könnten dort beim besten Willen keine 80 Zuhörer bei diesem echten “Elevator Pitch” in der ersten Reihe sitzen.

Während des letzten Pitches ist unser Notar schon wieder auf dem Heimweg und es kristallisieren sich fünf Teams für das Pitching bei HackFwd heraus: gofundit.org – your local impact, dizzlike – das antisocial network, e-petitionen.de – ändere die Welt, heute!, ComponentFinder – das myhammer für die Industrie und die Startup Kids – offene, kontrollierte Fragen und Antworten von Kindern für Kinder. Alle fünf stehen gerade erst am Anfang ihrer Reise, bis Ende der Woche muss das Executive Summary für HackFwd stehen.

Am Tag danach

Der Montagmorgen fühlt sich bei manchen an wie nach drei Monaten im Ausland – völlig ausgepowered aber auch mit unendlich viel neuer positiver Energie erfüllt. Das wesentliche Ziel des Startup Weekend!