Logo regiolog Wissenslandkarte Netzwerk und Service Verkehr und Logistik Medizintechnik Mechatronik und Automation Informations- und Komunikationstechnik Energie- und Umwelttechnik regiolog.com Homepage Metropolregion Nürnberg
>Startseite
Samstag, 17.03.2012

HAUSaufgaben gemacht!

Magazin | Ramona Rolf | 10.08.2007

Konrad Gnad, Leiter der Technischen Abteilung bei der GEWOBAU Erlangen, hat ein neues Lieblingsobjekt. Es ist der Wohnblock in der Schenkstraße 83/85 - erbaut 1954 und 2006 von der GEWOBAU grundsaniert. Seitdem präsentiert sich das Gebäude als Niedrigenergiehaus, da sich pro Jahr und Quadratmeter nur noch ein Fernwärmebedarf von 45 kWh statt bisher 300 kWh ergibt. Zwölf Mietparteien freuen sich über gesunkene Energiekosten und mehr Wohnqualität. Die GEWOBAU freut sich über bundesweite Anerkennung.


Schenkstraße: in puncto energetische Sanierung eine Vorzeigeadresse. Foto: Mile Cindric

„In Zeiten von globaler Erwärmung, Klimawandel und stetig steigenden Energiekosten ist es für die Wohnungswirtschaft wichtig, Gebäude sowohl nach ökonomischen als auch nach ökologischen Gesichtspunkten zu bauen oder zu modernisieren", weiß Gnad, der innerhalb der GEWOBAU sämtliche Baumaßnahmen plant, koordiniert und mit den entsprechenden Ämtern und Partnerfirmen abstimmt.

Mit gutem Beispiel voran
Die ersten energetischen Sanierungen führte die GEWOBAU bereits von 1996 bis 1999 in Erlangen-Süd, -West und Erlangen-Bruck durch. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 1.250 Wohnungen erneuert. Seitdem setzt das Unternehmen bei seinen Bau- und Sanierungsvorhaben konsequent auf Umweltfreundlichkeit und Reduzierung der Nebenkosten. Bis 2006 konnten 3.208 Wohneinheiten umfassend und unter energetischen Gesichtspunkten saniert werden. Vor allem das Jahr 2000 war für die GEWOBAU gleich in zweifacher Hinsicht von großer Bedeutung. Zum einen begann die GEWOBAU mit einer umfangreichen Sanierung: Das Anger-Viertel mit über 900 Wohnungen stand auf dem Programm. Grundlage für das Vorhaben war ein effektives Energiekonzept: Die Heizenergieversorgung sollte mit Brennwertkesseln erfolgen und da bei den Heizbedarf um 70 Prozent auf jährlich rund 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m2a) vermindern. Zum anderen lud das Unternehmen erstmals zur so genannten Energierunde ein - ein Gremium zur Verständigung über energierelevante Fragen. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter der Agenda 21, der Erlanger Stadtwerke, Mitglieder des Stadtrates sowie ein Vertreter des Umweltreferats und weitere Fachplaner. Ziel war und ist es bis heute, Ideen, Vorstellungen und Konzepte der Mitglieder bei allen Planungen und wesentlichen energierelevanten Maßnahmen der GEWOBAU einfließen zu lassen und zu berücksichtigen.
Das erste Arbeitsergebnis der Energierunde war ein „4-Liter-Haus" am Anger, das in der Region und in Bayern Akzente gesetzt hat. Seitdem hat sich das Gremium immer wieder an energierelevanten Maßnahmen beteiligt und Impulse für innovative Projekte gegeben. Die Begleitung der Sanierungsprojekte im Erlanger Osten mit insgesamt 535 Wohnungen gehörten genauso dazu wie die Anbringung von Fotovoltaikanlagen an Wohngebäuden am Anger. 2005 setzte sich die Energierunde schließlich dafür ein, sich mit der Wohnanlage in der Schenkstraße 83/85 am bundesweiten Modellvorhaben „Niedrigenergiehaus im Bestand" - durchgeführt von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) - zu beteiligen. Ein Entschluss mit großer Wirkung.

Bundesweite Anerkennung
Das sanierte Gebäude ist mittlerweile so sparsam im Verbrauch, dass es in das Modellprojekt aufgenommen wurde. Bundesweit sind 143 Objekte - vom Fachwerkhaus über das Einfamilienhaus der 60er Jahre bis zum Plattenbau - in diesem Pilotprogramm versammelt. Hintergrund ist, dass rund 80 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland vor 1979 erbaut wurden - eine Zeit, in der Energieeinsparung keine Beachtung fand. Sanierungen wurden in der Folgezeit gar nicht oder nur unzureichend durchgeführt. Als Folge ist der Energieverbrauch dieser Häuser doppelt oder dreifach so hoch wie bei gut sanierten oder neu gebauten Häusern. Damit nicht genug, auch die Umwelt leidet, denn unsanierte Häuser geben dreimal mehr CO2 ab als moderne Gebäude. Ziel des Pilotprojekts „Niedrigenergiehaus im Bestand" ist es daher, innovative Techniken bei Gebäudesanierungen praktisch zu erproben, um so Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten. Das Anwesen in der Schenkstraße konnte sogar am Level B, der für „besonders innovativen Standard" steht, teilnehmen. Hierbei sind die Anforderungen äußerst streng. Demnach muss der jährliche Primärenergiebedarf nach der Sanierung 50 Prozent unter den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) der Bundesregierung liegen, der Transmissionswärmeverlust 55 Prozent darunter. „Diese Werte werden in der Schenkstraße deutlich unterschritten. Beim Primärenergiebedarf um rund 66 Prozent, beim Transmissionswärmeverlust um 61 Prozent", erklärt Gnad.

Umfassendes Maßnahmeprojekt
„Mit dem Gebäude in der Schenkstraße hat die GEWOBAU einmal mehr gezeigt, dass sie sich aktuellen Fragen wie dem Klimaschutz in konstruktiver Weise stellt. Das Sanierungspaket wurde sorgfältig durchdacht und effizient umgesetzt - nicht zuletzt im Sinne der Mieter", bestätigt auch Dr. Burkhard Schulze Darup, Architekt aus Nürnberg und im Auftrag der GEWOBAU beim Projekt Schenkstraße beratend tätig. Die zwölf Mietparteien freut das besonders, denn jede von ihnen verbraucht nur noch rund ein Viertel der bisherigen Heizenergie. Möglich wurde diese deutliche Energieeinsparung durch ein umfassendes Maßnahmenpaket: Außenwand, Treppenhaus, Keller und Dach wurden mit hochwertigen Dämmungen versehen, Fenster mit Drei-Scheiben-Verglasung eingebaut. Zudem erfolgte die Installation einer kontrollierten Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung und das Gebäude wurde an die Fernwärmeversorgung angeschlossen.

Sanierungsprogramm 2006

Als Einzelobjekt ein Vorzeigehaus, ist das Gebäude in der Schenkstraße gleichzeitig auch Bestandteil eines umfangreichen Modernisierungsprogramms 2006. Insgesamt saniert die GEWOBAU hierbei 224 Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen Erlangens. Das Investitionsvolumen beträgt rund zwölf Millionen Euro. „Neben dem Umweltschutzaspekt schafft die GEWOBAU durch ihre umfangreichen Sanierungen neuen hochwertigen Wohnraum und wertet gleichzeitig das Stadtbild deutlich auf", würdigt Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis das Engagement der Wohnungsbaugesellschaft. Bei der GEWOBAU selbst freut man sich speziell beim Objekt Schenkstraße auch über einen Nebeneffekt. Wenn in Kürze die Nachweise zur Wärmeemission sowie zur Luftdichtheit des Gebäudes bei der dena eingereicht sind, profitiert die Wohnungsbaugesellschaft bei dem Projekt von einem Teilschuldenerlass aus der KfW-Förderung von zirka 15 Prozent.

 

Niedrigenergiehaus im Bestand

  • Projektleitung: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Berlin
  • Ziel: anhand von Best-Practice-Projekten innovative Technologien der energetischen Gebäudesanierung bekannt machen und weiterentwickeln sowie durch übertragbare, wirtschaftlich tragfähige Sanierungsempfehlungen zur Nachahmung anregen
  • 1. Projektphase: November 2003 bis Mai 2005, Teilnehmer: 36 Gebäude mit insgesamt 800 Wohnungen
  • 2. Projektphase: ab Mai 2005, Teilnehmer: 143 Gebäude mit rund 2.230 Wohneinheiten auf mehr als 138.000 m2. Etwa 49 Prozent der Gebäude gehören der Wohnungswirtschaft, die verbleibenden 51 Prozent sind im Besitz von Privatpersonen.
  • Projektpartner: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), die BASF AG sowie der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft BGW.
  • Mehr Infos: www.neh-im-bestand.de